Wir sind angekommen!

Hallo liebe Leser! Sorry dass wir so lange nichts von uns haben hören lassen, aber es war aus diversen Gründen (kein WLAN, keine Gelegenheit zu schreiben) nicht möglich neue Beiträge online zu stellen.

Aber keine Angst, wir werden das Tagebuch in gewohnter Art und Weise fortsetzen. Johanna hat schon unterwegs einiges geschrieben, was wir jetzt noch mit Fotos versehen und dann veröffentlichen werden. Jetzt, da wir ordentliches WLAN und etwas Zeit haben sollte das kein Problem sein.

Nur soviel vorweg: uns geht es allen gut und wir sind mit allen drei Autos im Hotel am Toten Meer angekommen.

Macht Euch auf einigen neuen Lesestoff gefasst.

Tag 12 – Team geteilt

Lena und Rob starteten heute früh gegen 7:45 Uhr um pünktlich in Adana zu sein. Nachdem der Rote Halbmond unsere fleißig gesammelten Hilfsgüter nicht annehmen wollte, da es sich nicht um Neuware handelt, wurde mit Nadirs (ein Miarbeiter des OK-Teams) Hilfe eine andere Organisation und Möglichkeit gesucht und gefunden. Einen genaueren Bericht bekommt Ihr nachgeliefert, sobald auch ich mehr weiß und das Team wieder vereint ist.

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Für uns verbliebenen Vier war das heutige Etappenziel Dalyan am Meer. Eine gemütlich und kurz anmutende Strecke.
Der Start durchs Starttor erfolgte pünktlich um 11 Uhr. Hier durften wir auch endlich die Schuhe abgeben, für die wir während der bisherigen Reise das passende Gegenstück zu finden und zu tauschen hatten. Die Schuhe sind für die Grubenunglückskinder von Soma gedacht.
Mercy machte das Führungsfahrzeug und der Weg war wieder mal nur anhand von Fotos zu finden. An einer Abzweigung haben wir wohl die vorgegebene Abfahrt verpasst. Wir entschieden uns unsere Reise auf unserer eigenen Route weiter zu fahren, was sich als glückliche Fügung herausstellte. Wir fuhren durch traumhafte Landschaften während der Weg sich immer weiter nach oben in die Berge schlängelte.

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Am vermutlich höchsten Fleck machten wir eine kleine Kaffeepause und genossen das urige Ambiente. Hier, wo wir saßen, konnten wir uns gut vorstellen, dass die Männer da abends bei einem Tee beisammen sitzen, auf die Dorfstraße schauen und Politik machen.

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Unsere Mittagspause machte wir gegen 15 Uhr in Cameli, wo wir ein Restaurant aufsuchten. Während des leckeren Essens fielen Janet die motorisierten Zweiräder auf, die vor dem Lokal parkten und kurzerhand hat sie eine weitere Aufgabe aus dem Roadbook erfolreich erledigt. Wir sollten in der Türkei die Motoradfahrer auf den TÜV hinweisen, an Fahrzeuge ohne TÜV die mitgegeben Aufkleber anbringen und uns dann mit den Besitzern und ihrem markierten Gefährt fotografieren. Ich hatte bei der Aufgabe so meine Skrupel aber Janet hat das bravourös durchgezogen und so in nullkommanix drei Zweiräder mit Aufklebern versehen. Die Besitzer strahlten, wollten die Aufkleber drauf lassen und wir hatten eine weitere Aufgabe erfüllt. Besser konnte es nicht laufen.

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Danach ging es weiter nach Dalyan, wobei uns unser Weg über Fethiye führte und Janet kurzerhand eine kleine Führung durch den Ort übernahm. Sie zeigte uns Grabmähler, die in den Berg gehauen waren und bei einem frisch gepressten Orangensaft konnten wir auch noch Schildkröten bewundern, die es in dieser Gegend wohl sehr zahlreich gibt.

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Nach diesem schönen Tag erreichten wir – ganz ohne jegliche Autopanne! – gegen 19:40 Uhr den Platz im Ort, an der Uferpromenade, auf dem wir die nächsten 2 Nächte verbringen sollten.
Eine Besonderheit fiel mir sofort auf: hier gab es das erste Mal Bier aus Glasflaschen und nicht aus Dosen.

Tag 11 – Bretter für Parkbänke und brettern durch den Canyon

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Nachdem unser Schlaflager wieder verräumt und einigermaßen staubsicher verpackt war, ging es in den Ort Ulubey, wo wir die Bretter unserer Seifenkiste signierten und für die erwähnten Parkbänke im Ort auf einem Stapel ablegten.

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Danach ging es zur Canyon-Tour, auf die wir uns alle sehr freuten. Es war eine wirklich tolle Strecke, mit fantastischer Aussicht und einigen herausfordernden Stellen, die unsere Flotte hervorragend meisterte. Zwischendurch machten wir im Canyon an einem lauschigen Plätzchen eine kurze Feschperpause. In 4 Stunden haben wir so 20 Kilometer zurück gelegt. Aber heute ging es nicht um Strecke machen sondern um Spaß, Herausforderung und tolle Aussicht.

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Das Tagesziel war Manisa Alasehir, was wir nach der Tagesschau, gegen 20:15 Uhr erreichten. Den restlichen Abend verbrachten wir mit Teambesprechung. Lena und Rob müssen sich morgen ganz früh vom Team trennen und fahren vor nach Adana, wo bereits die Spedition der riesigen Hilfsgüterlieferung wartet (wir hatten ja vor der Rallye davon berichtet).
Der Rest des Teams fährt mit den verbleibenden 2 Fahrzeugen die vorgegebe Tour mit und wir treffen uns in 3 Tagen an der Fähre in Mersin.

Tag 10 – Nagel, Auspuff und Canyon

Einer der hilfsbereiten Türken vom Vorabend bestand darauf, dass wir heute zu  Frühstück gemeinsam Tee trinken und so lud er uns gegen 8:00 uhr in sein Büro ein, wo ich mir den Tee erstmal übers Bein schüttete. Er wäre sicher lecker gewesen, denn heiß war er…
Im Gegenzug luden wir ihn dann auf einen Kaffee ein, denn er schien sich in unserer Gegenwart sehr wohl zu fühlen.

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Um 10:00 Uhr ging es dann mit einem grandiosen LeMans-Start mit Countdown vom Minister in die nächste Etappe. Einmal um den großen en Plaz und dann mitten durch Ankara, wo es um 10:24 Uhr bereits 34 Grad hatte. Wir haben mitbekommen, dass das Wetter in unserer Heimat gerade zu wünschen übrig lässt und drücken Euch die Daumen, dass sich das bald ändert.

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Vielleicht ein kleiner Trost: bei 35 Grad Außentemperatur und voll aufgedrehter Heizung langsam vor sich hinzuköcheln ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
Das heutige Tagesziel: Usak-Ulubey mit einem Campingplatz an Europas größtem Canyon.

Auf unserer Fahrt kamen wir gut voran, bis wir gegen 14:30 Uhr eine Tankstelle anfuhren. Der rote Ruby verletzte sich an einem eingefahrenen Nagel im rechten vorderen Reifen. Günther hatte das passende Flickzeug dabei und auch sofort parat und das Loch war in Windeseile geflickt.

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Bei  Herunterfahren von  der Tankstelle mussten wir eine kleine Bodenwelle passieren und das war wohl ausschlaggebend für den plötzlich erneut auftretenden Rallye-Sound unseres bereits am Vortag geflickten Auspuffs. Wir fuhren also alle drei Autos rückwärts zurück zur Tankstelle, die erfreulicherweise eine kleine Rampe hatte, auf die wir fuhren um den Auspuff nun endgültig zu entfernen. Die meisten Autos fahren ihren Auspuff unter dem Auto spazieren, wir nahmen ihn auf dem Dachgepäckträger mit.
Eine kleine Etappe weiter, bis zu  nächsten Stopp, entschieden wir, dass wir – wenn wir den Sound so lassen – am Ende der Rallye wohl recht einsam währen, da ein Gespräch mit Tauben ohne Beherrschung der Gebärdensprache doch recht mühsam ist.

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Wie es der Zufall so wollte, trafen wir Burhan vom OK-Team und er half mit Übersetzung und legte ein gutes Wort für uns ein, so dass die Reparatur recht fix und günstig erfolgen konnte. Danach schnurrte Mercy weder vom Feinsten und die Weiterfahrt nach einer Stunde Aufenthalt war ein Genuss.

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Wir erreichten den Canyon noch bei Tageslicht und genossen die grandiose Aussicht nachdem wi unsere Autos auf abschüssigem Gelände und zwischen Bäumen in eine einigermaßen waagerechte Position gegraben und auf Steine gebockt hatten.

Ach ja: Duschen auch hier wieder Fehlanzeige. Aber durch die gestrige Dusche konnten wir den Abend entspannt und bei netten Gesprächen ausklingen lassen.

Tag 9 – Reparaturen und Ankara

Der Tag begann langsam und ohne Stress. Eine gestrige Info war, dass es einen Stand gäbe, bei dem man sich bei Autoproblemen Hilfe holen/erhoffen kann. Wir hatten bereits gestern einen Termin für heute Vormittag um 8:30 Uhr vereinbart, aber zur vereinbarten Zeit und am vereinbarten Ort war weit und breit keine Hilfe zu sehen. Kein Problem, wir hatten ja Zeit, denn der Start war für 12 Uhr angegeben. Nach mehreren Versuchen telefonisch Kontakt herzustellen, klappte es dann auch überraschender Weise und Mercy, unsere Automatikkutsche, in der auch der GPS-Tracker liegt, fuhr in Eskorte zur Werkstatt. Wieder hatten wir uns für Arbeitsteilung entschieden. Rob und Martin kümmerten sich um den kaputten Auspuff, Lena und Janet fuhren zu den Sehenswürdigkeiten,  von denen Fotos laut Roadbook verlangt waren, Jo kümmerte sich um unsere Blogbeiträge und Günther nutzte die Zeit, das Auto zu trocknen und von dem Weingeruch zu befreien,  der durch eine zerborstene Rotweinflasche im Gepäck hervorgerufen und deren Zustand bei dem Liegenbleiben an der Ampel zwei Tage zuvor entdeckt wurde.

Auf der Suche nach dem Mechaniker:

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Überpünktlich zum Start war der Auspuff geschweißt (für 50 Lira / ca. 17 Euro) und die Jungs strahlten. Fuhr doch der Mechaniker noch rabiater und schneller, als wir es uns je trauen würden, trotz 8 Tagen Rallye-Erfahrung und kompletter Umstellung der gewohnten Fahrweise. Ampeln und Verkehrszeichen scheinen in der Türkei nur schmückendes Beiwerk zu sein…

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Heute fuhr Lena unseren Max gemeinsam mit Günther und Janet saß mit Rob im roten Ruby. Auf ging es in den 2. Tag der Chinesen-Rallye. Ziel der heutigen Etappe war Ankara (Atatürk Kültür Merkezi).
Nach kaum 2 Stunden Fahrt blieb Max erneut liegen. So langsam nervte das imens und wir hatten noch immer nicht das Problem gefunden. Es war auch nicht das letzte Mal an diesem Tag und die dadurch erzwungenen Kaffee- und Teepausen warfen uns wiedermal im Zeitplan zurück.
Das dritte Mal passierte es zum Glück an einer Tankstelle, an der wir eigentlich nur kurz nach dem richtigen Weg fragen wollten. An Ort und Stelle gab es eine Autowaschanlage und ein paar Mechaniker waren auch vor Ort. Die schauten sich das Auto von unten an, keine Sekunde zu früh,  denn nun wollte Max so gar nicht mehr anspringen. Das Problem war die Benzinpumpe, die wollte nicht mehr pumpen. Kein gepanschter Sprit und auch nicht die Motortemperatur, nein, einfach nur banaler Verschleiß.
Da nix mehr ging, ließen wir das Auto an Ort und Stelle reparieren, das Ersatzteil musste am anderen Ende der Stadt besorgt werden und Günther brauste mit dem Mechaniker davon. Während wir so warteten, nutzten wir die Zeit und ließen unsere Autos waschen und auch den Innenraum reinigen, schließlich hatte uns die Strecke der Chinesen-Rallye über Feldwege geschickt und alles war  verstaubt…
Andere Teams waren stolz auf die verdreckten Karren, die dadurch erst wirklich wie Rallye-Autos aussahen und wir ließen diese wertvolle  Patina ohne Skrupel und mit Freude entfernen.
Am Abend, als wir endlich in Ankara ankamen, ernteten wir dafür nur Kopfschütteln und Unverständnis.  :-)

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Kurz vor 8, nach ca. 3 Stunden Aufenthalt fuhren alle drei Autos wieder und wir entschieden uns sofort das Etappenziel anzufahren und uns mit einem Abendessen aus der Dose zu belohnen. Ausserdem wollten/mussten wir dringend duschen und wiedermal war es die Hoffnung auf eine vorhandene dafür nötige Vorrichtung die zuletzt starb. KEINE Duschen weit und breit. Meine Laune sank.
Lena und ich übernahmen die Erkundungstour und nachdem wir die Klos inspiziert hatten und über das Gelände schlichen, weil ich die Realität noch nicht akzeptieren wollte, liefen wir an ein paar Einheimischen vorbei, die beim Abendessen saßen und uns sofort aufhalten wollten zum Probieren und Tee trinken. Wir wehrten ab, versuchten klar zu machen, dass wir nicht alleine sind und dass wir keine Zeit haben. Zurück bei den anderen plagte Lena das schlechte Gewissen, denn eine Einladung darf man nicht ablehnen und so gab sich Günther einen Ruck und ging gemeinsam mit Lena zu den netten Herren zurück.  Ich danke Lena und Günther für ihren Einsatz, denn ihnen ist es zu verdanken, dass wir doch noch zu einer Dusche kamen, hurra! In den Arbeitsräumen waren zwei Duschen, die wir aufgrund der schier unendlichen Gastfreundschaft nutzen durften – natürlich streng getrennt, erst die Mädels, dann die Jungs.

Nach der erholsamen Dusche nun endlich konnten wir uns um unser leibliches Wohl kümmern. Aufgrund der Wetterlage – es sah nach Gewitter aus – gab es dann doch „nur“ eine kalte Brotzeit und wir waren noch nicht fertig, da fing es an zu regnen. Endlich kam Günthers Ballonplane zu  Einsatz. In windeseile klemmten wir die Plane in die Autos ein und hatten so einen trockenen und gemütlichen Unterschlupf, den wir uns mit den Jungs von Team 110 gerne teilten. Mit dem Austausch der unterschiedlichen Erlebnisse auf der bisherigen Reise beendeten wir den Abend und krochen tief in der Nacht wohlriechend in unsere Autos.

Tag 8 – Chinesen-Rallye und weitere Automacken

Bei Tagesanbruch konnten wir nun zum ersten Mal sehen, in welcher schönen Landschaft wir uns befanden. In der Nähe des Campingplatzes sahen wir ein Skilift und das Häuschen hätte auch im Schwarzwald stehen können.
Nach einem Frühstück für 20 türkische Lira (das sind ca. 7 Euro) pro Person machten wir uns gegen 10:00 Uhr auf zur Chinesen-Rallye (Fahren nach Bildern). Beim Start bekamen wir lapidar mitgeteilt, dass wir heute Abend um 20:00 Uhr in Corum im Hippodrom „endlich“ unsere Instrumente zum Einsatz bringen dürfen. Die Aufgabe im Roadbook verlangte, dass ein Teammitglied das Lied „Fußball ist unser Leben“ von 1972 auf dem am Start getauschten Instrument einübt und die anderen dazu einen selbst gedichteten Text zum Besten geben. Uns wurde ein bisschen bang, denn erfahrungsgemäß schaffen wir die Etappe wieder mal auf den letzten Drücker und wir kennen weder die richtige Melodie noch ist uns bisher der Text zugeflogen. Die Aussage vom OK-Team auf meinen panisch vorgebrachten Einwand wurde mit den beruhigenden Worten abgetan, wir hätten ja noch den ganzen Tag Zeit zum Üben. Die Vorstellung, wie Günther während der Fahrt das Spielen auf  der Tuba übt, nahm mir den Schrecken. Es wird sich schon alles irgendwie fügen…

Die Chinesen-Rallye führte uns durch traumhafte Landschaften, an denen wir vorbei brausten. Nur ab und an mussten wir Pause machen um die im Roadbook geforderten Museen anzufahren, hin zu hetzen, Fotos zu machen und weiter zu fahren. Das fanden wir ein bisschen schade und die Art Sightseeing wurde sicher den Sehenswürdigkeiten nicht gerecht. Das ist wie eine Horde Büffel, die durchs Dorf gejagt wird, alles nieder trampelt und zurück bleibt nur Verwirrung und eine Staubwolke…

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Mittags blieb unser Max erneut liegen. Die Frustration war groß,  da das Problem noch immer nicht gefunden war. Nachdem sich die Gemüter und der Motor wieder etwas abgekühlt hatten, ging es weiter. Doch so langsam machte auch Mercy uns Sorgen. Das Auto entwickelte sich immer mehr zu einem echten Rallyeauto, zumindest was den Sound angeht. Wir entschieden uns deswegen möglichst bald eine Werkstatt aufzusuchen, was sich aber noch bis zum nächsten Tag hinziehen sollte.

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Gegen 19:00 Uhr erreichten wir den riesigen Parkplatz in Corum. Noch eine Stunde Zeit unsere Musikaufgabe vorzubereiten, prima das könnte klappen. Doch dann machte Günther die Autotür zu und der Schlüssel steckte drinnen. Leider existiert für Max derzeit nur noch ein Schlüssel, der zweite ist auf der Fahrt verloren gegangen. Jetzt hätten wir Werkzeug gebraucht, aber nein, das liegt ja in Janets und Günthers Auto. Mit Joachims Hilfe, ein sehr hilfsbereiter Rallyeteilnehmer von Team 40, konnte der Wagen wieder ohne Schäden geknackt werden und in aller Eile machten wir uns noch Dosenfutter warm. Kein Genuss, aber der Hunger war gestillt.

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Mittlerweile war es 20 Uhr, Günther schulterte das Instrument und wir setzten uns in die Arena um der Dinge zu harren, die da auf uns zu kamen. Doch wie bisher, fügte sich auch nun alles zum Guten, irgendwie. Nach einem Folkloreprogramm und einer Ansprache wurden dann alle Instrumentenspieler vor die Bühne gebeten und das Orchester von Nadir vom OK-Team dirigiert. Das war ein Ohrenschmaus, vom Feinsten! Einzig die Trompetenspieler hatten es drauf und so konnte man ganz leicht erahnen, das das Stück „Bruder Jacob“ zum Besten gegeben wurde.
Unsere Musikinstrumente durften wir dann an Ort und Stelle für die ansässige Musikschule abgeben.

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Mit einem grandiosen Feuerwerk wurde das Programm beendet und wir gingen zurück zu unseren Autos. Es war recht kühl geworden und der Wind war unangenehm stark. Da der Abend noch recht jung war, entschieden wir uns noch in den Ort zu pilgern um unsere Eindrücke bei einem gemütlichen türkischen Tee zusammenzufassen und für Euch lesbar online zu stellen. Wir fanden ein Lokal, das recht leer war und nachdem wir die Bestätigung hatten, dass W-Lan vorhanden sei, breiteten wir uns aus. Doch zum arbeiten kamen wir nur sehr schlecht. Die Türken sind ein sehr herzliches Volk und sehr kommunikativ, auch wenn man gegenseitig kein einziges Wort versteht.

Gegen 1:00 Uhr haben wir dann den Parkplatz wieder aufgesucht und uns bei Stadionbeleuchtung in unsere Schlafkojen zurück gezogen.

Tag 7 – Dachziegelabgabe und der Versuch zur besseren Kommunikation

Das erste Etappenziel heute sollte der Rallyepark Istanbul Sancaktepe Pasaköy sein, in dem wir um 9:00 Uhr endlich die Dachziegel, von denen damals beim Start in Oberstaufen jedes Auto zwei Bündel mitzunehmen hatte, abgeben konnten. Auszug aus dem Roadbook: „Dieses Grundstück wurde dem Verein Allgäu-Orient-Rallye INTERNATIONAL e. V. von der Stadt Istanbul kostenlos für 49 Jahre zur Verfügung gestellt… Wir bauen hier ein Jugendbegegnungszentrum…“
Die Abfahrt vom Campingplatz (der so gar nicht zum duschen einlud, da es nur kaltes Wasser gab und die Duschen verschimmelt waren) war für 7:30 Uhr geplant. Gut, wie das nun mal mit Plänen so ist, man macht sie um ihnen flexibel gerecht zu werden, denn Prioritäten ändern sich von Zeit zu Zeit.
Um den langsam unübersehbaren Spannungen im Team entgegen zu wirken gab es statt Frühstück ein Konfliktlösungsgespräch und wir starteten hochmotiviert gegen 8:25 Uhr. Ein wichtiges Teamziel für heute: einen Elektromarkt finden und Walki Talkis kaufen.
Den Park erreichten wir gegen 10:30 Uhr, gaben die Ziegel für das Jugendhaus ab, lauschten der Ansprache des Bürgermeisters und fütterten -wie schon so oft- herrenlose Hunde mit den Würstchen, die wir ebenfalls damals beim Start zugesteckt bekamen. Burhan vom OK kam mit einem Fernsehteam dazu und ehe wir uns versahen, steckten wir in einem Interview zu unseren Eindrücken über Land und Leute. Wenn die Antworten nicht zu plump waren, besteht eine Chance, uns im türkischen Fernsehen zu sehen.

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Auf der Weiterfahrt Richtung Izmit kamen wir dann an einem auch in Deutschland sehr bekannten Elektrofachhandel vorbei und leisteten uns die lang ersehnten Walki Talkis.

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Kaum aktiviert und eingestellt ging der wilde Funkverkehr los und die Stimmung im Team wurde ausgelassen und fröhlich. Günther lobte unsere Fahrzeuge, die bis hierher schon so verlässlich liefen und blieb an einer Ampel stehen. Er blieb auch stehen als die Ampel auf grün schaltete und sein Auto machte kein Mucks mehr. Also wurde der Wagen in eine Seitenstraße geschoben, die Jungs suchten nach dem Problem und fachsimpelten über dessen Lösung. Die Mädels, die sich nicht einmischen wollten, kühlten die heißen Füße im vorbeirauschenden Bach und nutzten die Pause zum Gedankenaustausch.

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Die Spakulationen gingen über verdreckten Kraftstofffilter, gepanschtem Sprit und/oder Motor zu heiß geworden. Max (so wurde zwischenzeitlich das Auto von Janet und Günther getauft) ist das einzige Fahrzeug in unserer Flotte mit Klimaanlage und während wir anderen die Heizung inklusive Lüftung auf volle Pulle in den Innenraum leiten, damit der Motor schön gekühlt bleibt und die Temperatur die 90 Grad nicht überschreitet – wohlgemerkt die Motortemperatur, im Innenraum hatte es locker 120 Grad – , fährt Max mit geschlossenen Fenstern und die Insassen bleiben unverklebt, unverschwitzt und unverdreckt. Ob wir anderen neidisch sind? Natürlich nicht!  Wir lieben es den Wind unsere Haare verknoten zu lassen und den Staub der Straßen zu schmecken. :-)

Nach ca. einer halben Stunde lief der Wagen wieder um etwa 1 Stunde später wieder aus zu gehen. Kurz stehen lassen, weiter gings nach 10 Minuten. Beim dritten Mal erwischte es uns an einer ganz blöden Stelle. Der Verkehr einspurig und kaum Standstreifen. Wir entschieden uns zum Abschleppen. An der nächsten Ampel ging er dann wieder und wir erreichten ohne weitere erzwungene Zwischenstopps gegen 22:00h endlich den Campingplatz, das Tagesetappenziel.
Wir freuten uns auf die verdiente Dusche und sehnten uns nach einem Sitzklo, doch beiden Wünsche wurde nur annähernd entsprochen: Es gab eine Dusche, sogar mit warmem Wasser und Platz um die Klamotten trocken abzulegen und gewünschter Porzelanausführung. Das Problem war nur, dass es nur eine einzige Dusche gab und ca 500 Leute duschen und ihre Notdurft verrichten wollten…

Der Abend verlief unspektakulär. Recht kalt war es, da wir ziemlich weit oben in den Bergen campierten und nach einer nicht mehr ganz homöopathischen Dosis Schnaps krochen wir in unsere Autos.

Tag 6 – Istanbul, asiatischer Teil

Heute klingelte der Wecker etwas später als sonst. Um 10 Uhr sollte es weiter gehen, also massig Zeit mal etwas Schlaf nachzuholen. Aber die weichen Betten, die ungewohnte Kopffreiheit im Bett und der Drang unsere Eindrücke aufzuschreiben, bevor sie mit den vielen, vielen weiteren Eindrücken verschwimmen, trieb uns aus den Federn. Noch einmal die Dusche genießen, im Überfluss vorhandenes, warmes Wasser und Toiletten, auf denen man sitzen kann, das wollte nochmal bewusst und ausgiebig zelebriert werden.

Um zehn Uhr trafen wir uns dann wie vereinbart vor der Bühne. Von dort ging es mit einem LeMans-Start (zur Erklärung: Fahrer und Beifahrer hatten sich vor der Bühne versammelt und rannten beim Startschuss zu ihren Autos um loszufahren – klar dass es dabei zum Chaos kam, über Blechschäden wurde erstaunlicherweise nichts berichtet) durch die Straßen Istanbuls um gegen 12 Uhr auf dem Zubringer zur Fähre zu stehen. Im asiatischen Teil Istanbuls hatte das Roadbook wieder eine Aufgabe für uns. Auszug aus dem Roadbook: „Auf der asiatischen Seite fahrt Ihr dann direkt zum Haydarpasa Bahnhof. Findet heraus, wann und wer diesen bekannten Bahnhof gebaut hat. Im Bahnhof findet zur Zeit eine Ausstellung der Künstlerin Rahsan Düren statt. Sucht die Künstlerin auf und macht ein schönes Foto von ihr und natürlich auch von Euch vor einem Kunstwerk.“
Also stürmten um die 100 Teams den Bahnhof, hetzten an dem liebevoll aufgebauten Kunstwerk vorbei auf der Suche nach der Künstlerin und dem begehrten Bild mit ihr. Wir gingen davon aus, die Künstlerin wisse bescheid, doch eine kleine Frage von ihr machte mich stutzig. Sie wollte wissen, ob wir aus Deutschland kommen… In einem späteren Gespräch mit einem anderen Team wurde klar, dass die Künstlerin keine Ahnung von unserem Kommen hatte, denn sie wollte wissen, was denn hier eigentlich los sei. Schön, dass sie so offen war und ihren Spaß daran fand.

Auf der Fähre und das Kunstwerk im Bahnhof:

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Nach dem Kunstgenuss kam der große Frust. Abenteuer pur. Ohne Navi, ohne Stadtplan, ohne Walki Talkis mit drei Autos und sechs Meinungen, wo es lang geht, durch den Verkehr von Istanbul, herzlichen Glückwunsch! Vorbereitung wird überbewertet.

Nach ein paar Stunden herumirren, führte uns der Weg in den Stadtteil Riva, wo ein Fußballspiel zwischen einer türkischen Nationalauswahl und einer Rallyeauswahl stattfand. Endstand 1:0 nach Elfmeter für die Türken. Das war eine Überraschung… 😉

Im nächsten Ort steuerten wir einen traumhaft gelegenen Campingplatz an. An einem Hügel mit einem tollen Blick auf das Schwarze Meer partkten wir die Autos und ein Teil des Team kümmerte sich sofort um die Nahrungsbeschaffung, verzichtete auf die herzerfreuende Aussicht, den Sonnenuntergang über dem Meer, während der andere Teil die Füße ins Meer steckte und den warmen Sand zwischen den Zehen genoss. Die Wassertemperatur schreckte nur Günther nicht ab, der sich mutig in die Wellen stürzte.

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Den Abend ließen wir bei einem grandiosen Essen mit frischem Gemüse, Fladenbrot, Folienkartoffeln und leckerem Grillfleisch ausklingen.

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Tag 5 – Erfolgreich in Istanbul

Die mitternächtliche Nervenzerreißprobe  an der Grenze und die anschließende Fahrt bis nach Istanbul hatten wir bei einem letzten Schnäpschen verdaut und haben eine weitere Nacht im Auto verbracht. Wer kann das schon von sich behaupten – im Auto schlafen auf einem der heiligsten Plätze in der Türkei,  direkt vor der Blauen Moschee?! Wir haben alle richtig gut geschlafen und krochen voller Ehrfurcht und Vorfreude auf den Tag aus den Autos. Keine Minute zu früh, denn ab 8:00 Uhr wurden die Touristenreisegruppen über den Platz gejagt und die Sehenswürdigkeiten um uns herum in verschiedenen Sprachen an Interessierte vermittelt. Schon komisch, wenn Menschenmassen durch den Vorgarten pilgern und ins Schlafzimmer glotzen…

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Für heute Nacht haben wir uns den Luxus (so dachten wir) gegönnt und Zimmer in einem Hostel gebucht. Dazu später mehr.

Bei einem ausgedehnten Frühstück steckten wir die Köpfe über dem Roadbook zusammen und versuchten ein paar Antworten auf Fragen aus dem Buch, die in türkisch gestellt waren, durch das Cafe-Personal zu erhalten, was uns auch gelang. Für die Richtigkeit gebe ich allerdings keine Gewähr.

Die Jungs hatten sich eingebildet unbedingt zum Barbier gehen zu wollen, wogegen die Mädels keinerlei Einwände hatten, aus zwei Gründen. Zum einen konnten sie dadurch zu dritt eine Sightseeing-Tour durch Istanbul machen und zum anderen waren die Jungs danach richtig schick frisiert und ihre Wangen glatt und porentief rein.

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Ein weiteres großes Ereignis lag noch vor uns. Um 17:00 sollte das Seifenkistenrennen stattfinden, für das jedes Team die Aufgabe hatte, eine Seifenkiste zu bauen. Allerdings stieg das große Bedürfnis nach einer erfrischenden Dusche von Minute zu Minute und unsere Seifenkiste war noch weit davon entfernt nach eben einer solchen auszusehen.

Wir entschieden uns also für Arbeitsteilung. Die Jungs schrauben die Kiste zusammen und die Mädels checken schon mal im Hostel ein und machen sich frisch.

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Klingt soweit ganz klar und einfach. Doch was wir im Auto die letzten Tage mehrfach unter Beweis stellten, wollte zu Fuß so gar nicht klappen. Nachdem wir einsahen, minutenlang in die falsche Richtung gelaufen zu sein, nahmen wir kurzerhand ein Taxi zum Hostel und ich kann Euch sagen, die Dusche war ein Hochgenuss! Die Jungs kamen ca. eine Stunde später nach und duschten ebenfalls mit Genuss, doch nicht ganz so ausgedehnt, denn die Zeit drängte.

Abgehetzt und etwas verspätet, reihten wir unsere geniale Seifenkiste in die Reihe der kreativen Ergebnisse der Teams ein. Jede Kreation wäre es wert, ein Foto zu machen, doch dafür war leider keine Zeit mehr. Lena lenkte das Gefährt, während erst Rob, dann Günther das Gespann über den Platz, durch die Gasse der parkenden Rallye-Autos peitschte und das Team zuerst die Schallmauer und dann mit mindestens 50 Meter Abstand als Erste das Ziel durchbrach.

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Wir danken unseren Familien, unseren Freunden und Sympathisanten und vor allem unseren großzügigen Spendern der Rasenmäherreifen, die sich auf dem Kopfsteinpflaster herausragend geschlagen haben.

Zurück beim Auto – ein kleines Schnäpschen ist das Ereignis schon wert – trafen wir auf Simon, der mit seinem Team 108 die Rallye letztes Jahr gefahren ist, zur Zeit gerade Urlaub in Istanbul macht und gezielt uns, das Team 108 der diesjährigen Rallye gesucht und gefunden hat. Vielen Dank für die vielen Infos und hilfreichen Tipps!

Janet, die sich alles und am liebsten gleichzeitig merkt, hat sich dann zusammen mit Lena um die Fotoausdrucke gekümmert, die wir ins Roadbook zu kleben haben, während Rob die Seifenkiste wieder auseinander baute (daraus soll ja noch eine Parkbank werden), Martin und Johanna die Zusammenfassung und Tageseindrücke für unseren Blog niederschrieben und Günther gemütlich ein Bier trinken ging.

Schon recht spät am Abend suchten wir ein Restaurant auf um den großen Hunger zu stillen und das riesige Loch im Magen zu stopfen. Danach waren wir müde und suchten unser Nachtlager auf. Ein Teammitglied entschied sich, am Platz zu bleiben und im Auto zu schlafen, zwei nahmen ein Taxi zum Hostel und drei entschieden sich für den Fußmarsch. Eine Stunde später waren wir dann auch schon da und fielen in  die ungewöhnlich weichen Betten.

Nun sind wir auch bei der Allianz bekannt

Zunächst möchte ich kurz erklären warum unsere Beiträge so sporadisch online gehen.

Zum Einen ist die Rallye tatsächlich ein Fulltime-Job, d.h. die Zeit, die wir fürs Bloggen brauchen, müssen wir uns woanders abknapsen. So fiel dem schon die eine oder andere Dusche oder ein geselliger Abend zum Opfer. Kein Problem eigentlich, wir machen das gerne, aber der Aufwand ist echt viel größer als wir vorher dachten.

Zum Anderen gibt es diverse technische Probleme und viel seltener WLan als wir uns erhofften (wir sind allerdings ja teilweise auch in entlegenen Gebieten unterwegs). Johanna ist während der Fahrt fleissig am Offline-Schreiben und wir werden einfach versuchen die Beiträge dann im Pulk hochzuladen.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für die netten und motivierenden Kommentare bedanken! Wir lesen sie alle, habt aber bitte Verständnis dass wir nicht einzeln darauf antworten können.

But now something completely different: in der Mitarbeiterzeitschrift der Allianz ist seit ein paar Tagen ein schöner Artikel über uns erschienen und dieser Blog ist verlinkt.

Herzlich Willkommen bei der Teilnahme an unserer Reise, lieber Allianzer!

Also,schaut doch mal rein bei www.allianzblau.de/