Tag 15 – Mersin, Flug nach Haifa und Krankenhauserfahrung in Israel

Völlig erschöpft von der langen Fahrt und der anschließenden Warterei, bei der keiner wußte, wie lange es noch dauern würde, haben wir uns notdürftig eine Schlafmöglichkeit gebaut. Da die Fahrerseite ja nicht zugebaut werden konnte (wir hatten sonst immer das Gepäck von der Liegefläche auf die Vordersitze geräumt), um schnell reagieren zu können, wenn es weiter geht, haben wir nur eine Seite zum Liegen frei geräumt und Martin kauerte sich ungemütlich auf den Fahrersitz. Janet, die den ganzen Tag gefahren war, legte sich zum Schlafen in den Max nieder und Günther wollte durchmachen. Aber bereits nach dem 2. Bier kam ihm der Schlaf dann doch auch sehr verlockend vor und Janet hatte alle Mühe, ihn wach und fahrbreit zu bekommen, als wir gegen 2 (oder war es halb 3?) auf das Gelände auffahren durften. Es gelang ihr nicht und so kutschierte sie den schlafenden Günther mit offener Heckklappe über das Gelände. Einen Stempel im Pass der Fahrzeughalter später richteten wir uns auf weitere Wartezeit ein. Endlich waren wir auf dem selben Gelände, auf dem auch Ruby stand, doch von Wiedersehensfreude zu der Uhrzeit keine Spur. Lena und Rob schliefen friedlich. Gegen 5:00 Uhr morgens dann bewegte sich endlich etwas. Martin und Günther fuhren die Autos auf die Fähre, während wir uns mit dem Fluggepäck auf die Suche nach einem Fleckchen machten, wo man weitere Zeit tot schlagen konnte und dabei nicht zu unbequem saß.

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Kaum dass wir um die Ecke bogen, blickte ich in die noch müden aber freudig überraschten Augen meiner Schwester, endlich hatten wir uns wieder!

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Rob war auch bald zurück, nur auf Martin und Günther warteten wir noch bis halb 10. Wir Wartenden vertrieben uns die Zeit mit – na, was glaubt Ihr? – Tee trinken.
Gut, einen Kaffee gab es dann später auch und etwas fürs Herz. Wir sahen ratlos schauende Facilitymitarbeiter des Fährgeländes vor ein paar in der Ecke aufgeschichteten Teppichen stehen, die sie offensichtlich entsorgen oder wieder auslegen wollten und die Neugier trieb uns zu dem Ort um nachzusehen, was an einem Teppich so spannend sein kann.
Eine Katze hatte sich über Nacht darauf eingerichtet und neben ihr lagen zwei, noch nicht alte Katzenbabies, die Augen waren noch geschlossen.
Der Teppich wurde kurzerhand liegen gelassen. Tierfreundlich sind die Türken. Zumindest was meine Erfahrung mit Hunden und Katzen angeht.

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Wir hatten nun ein Zeitfenster von ca. vier Stunden, bis unser Transfer zum Flughafen nach Adana starten würde (die Fähre war eine reine Autofähre) und so entschieden wir uns in die Stadt zu gehen und dort zu frühstücken.

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Wie wir so da saßen, fiel den Jungs ein, sie könnten ja nochmal zum Barbier gehen und Lena und ich entschieden kurzerhand ebenfalls einen Friseur aufzusuchen. Endlich mal wieder Haare waschen und eine Kopfmassage – die Jungs hatten beim letzten Besuch schon so geschwärmt – ja, das wollten wir auch! Janet blieb im Cafe sitzen und kümmerte sich um die Vervollständigung unseres Roadbooks -übrigens ein Wort, das wir im Laufe der Reise zu unserem persönlichen Unwort kührten -, in welches noch diverse Fotos und Informationen eingefügt werden mussten.

Die türkische Vetternwirtschaft funktionierte ein weiters Mal hervorragend, denn der Cafebesitzer rief seinen Cousin an, der bereitete den Salon vor, während uns sein Bruder wild durch die Gassen von Mersin kurvend bequem im Auto an Ort und Stelle brachte. Jetzt durfte der Bruder nur nicht wieder wegfahren, den Weg zurück hätten wir nicht so schnell gefunden…

In dem Friseursalon waren Lena und ich die Attraktion. Zu zweit und teilweise zu dritt machten sie sich an unseren Haaren und Augenbrauen zu schaffen. Doch statt der erhofften Massage erhielten wir eine recht passable Föhnfrisur, gezupfte Augenbrauen, eine gerötete Oberlippenpartie und verkohlte Kopfhaut. Ach ja, was macht frau nicht alles durch fürs Wohlbefinden…

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Die Jungs kamen recht bald von ihrem Barbier zurück – wir wurden eingänglich streng nach Männlein und Weiblein getrennt – und strahlten. Sie hatten wieder das Wohlfühlpaket erhalten, sogar mit Schultermassage. Und das für ein Drittel von dem, was unsere schmerzhafte Behandlung kostete.
Bleibt noch zu erzählen, dass der erwähnte Bruder auf uns wartete und nach diversen Selfis der Salon-Damen mit unseren schicken Männern wieder sicher zum Cafe zurück brachte.

Um 14:30 Uhr ging es dann mit dem Bustransfer nach Adana, von wo aus wir nach Tel Aviv flogen und dort mit dem Bus nach Haifa gebracht wurden, welches wir gegen 20:30 Uhr endlich erreichten.

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Haifa präsentierte sich bei Nacht sehr eindrucksvoll, solange man sich durch das deutsche Viertel bewegte. Eine Seitenstraße weiter sah es dann düster, dreckig und trostlos aus.
Nachdem wir an diesem Tag bereits der 2. Schwung Rallyeteilnehmer waren, war die Zimmersuche schon eine kleine Herausforderung, zumal die Preise in Israel uns nach den Erfahrungen in der Türkei etwas schockten und weitere 200 Teilnehmer wie die Heuschrecken ausschwärmten, auf der Suche nach einem Nachtlager.

Bei der dritten oder vierten angesteuerten Adresse wurden wir gegen 21:30 Uhr fündig. Im von Nonnen geführten Saint Charles Guest House zahlten wie 140 Schekel (sind ca. 32 Euro) pro Person um in einem 5-Bett-Zimmer die kurze Nacht zu verbringen.

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Lena, Rob, Martin und Jo in einem und Janet und Günther in einem anderen Zimmer. Drei von uns allerdings hätten sich das Geld sparen können, denn ein ungewollter Krankenhausaufenthalt brachte sie um einige kostbare Stunden Schlaf. Aber der Reihe nach:
Wir warfen unsere Klamotten in die Zimmer, verschoben die Dusche auf später und zogen los um die hungrigen Mägen zu füllen. Viel Zeit hatten wir dafür nicht, denn die Schwestern gewährten uns Ausgang nur bis 23 Uhr, danach wurde die Tür verschlossen.
Nach einer ausgiebigen Dusche wollten wir langsam zur Ruhe kommen, als Günther aufgeregt ins Zimmer kam und nach Lena verlangte. Janet war ganz unglücklich im Zimmer gestürzt und hatte sich eine klaffende Wunde am Knie und Prellungen am Brustkorb zugezogen. Ausgerechnet hier, wo das ganze medizinische Equipment im Auto, irgendwo im Mittelmeer, unterwegs war.
Unsere kompetente Krankenschwester Lena empfahl, die Wunde nähen zu lassen. Dafür mussten wir die Nonnen wecken und ein Taxi rufen, welches Janet, Lena und Rob zum Krankenhaus fuhr. Dort angekommen wurden sie erst mal um 300 Euro erleichtert, nur um einige Stunden rum zu sitzen und zu warten. Nachdem sich Lena und Rob erlaubten, ein bisschen Druck zu machen, schließlich mussten wir am nächsten Morgen pünktlich bei der einlaufenden Fähre sein, erbarmte sich ein Arzt und erfreute unser Team mit einer Gesangseinlage – der deutschen Nationalhymne erster Strophe :-( Auf den von Lena vorgebrachten Hinweis, dass er uns beleidige, erwiederte er nur emotionslos „it was a mistake“.
Janet war die ganze Zeit sehr tapfer und ruhig und ertrug ihr Schicksal mit ausgestrahlter Gelassenheit.

Gegen 4:30 Uhr kehrten sie zu Fuß (Taxis fuhren laut Auskunft eines Kioskbesizers zu der Zeit nicht mehr) zurück in unsere Unterkunft und während sie sich zum Schlafen legten, standen Martin und ich auf um als erstes bei der Fähre zu sein.