Tag 20 – Tag zur freien Verfügung und Siegerehrung der 10. AOR

Die Nacht in dem weichen Hotel-Bett schlief ich erstaunlicherweise nicht sehr gut. Ich sehnte mich nach meinem Mercy-Bett. 😉

Beim Frühstück entschieden wir, heute jeder das zu machen worauf er/sie Lust hat und so verbrachte ein Teil des Teams die Zeit am und im Pool, Günther machte einen Ausflug und ich vertreib mir die Zeit mit Tagebuch schreiben. Mein Wunsch war, es bis zur Abreise auf den aktuellen Stand gebracht zu haben. Das schaffte ich leider nicht ganz, wie Ihr sicherlich bemerkt habt… :-)

Am Abend ab 19:00h fand dann die Siegerehrung statt und wir schafften es auf den ehrenvollen 4. Platz!

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Leider konnte Kronprinz Hussein bin Abdullah nicht an der Veranstaltung teilnehmen, er entsandte den Tourismus-Minister Nayef Hmeidi Al Fayez, der eine bewegende Rede zu den schwierigen Verhältnissen und Unruhen im Land und der stets sehr warmen und herzlich empfundenen Gastfreundschaft Touristen gegenüber hielt.

Das Kamel gewann das Team 77 – Getriebesand – herzlichen Glückwunsch!

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Tag 19 – Spielzeugmuseum, Rallyefahrt durch Amman und Ankuft im Crown Plaza

Der erste und einzige offizielle Termin des Tages war der Besuch im Kindermuseum von Amman. Aus dem Roadbook blieb noch eine Aufgabe: „Vom Schulranzenhersteller Scout haben wir wieder eine Anzahl an Schulranzen für Erstklässler bekommen. Damit wollen wir Kinder in Jordanien ausstatten. … Wir versuchen, dass jedes Team die Schultaschen an ein Kind einer Klasse direkt übergeben kann. Bitte schreibt „EUREM“ Kind einen Brief mit irgend was persönliches von Eurem Team mit Adresse und steckt ihn in den Ranzen. Vielleicht ergibt sich ein Briefwechsel.“

So setzten wir uns zum Frühstück hin und schrieben ein paar Zeilen, steckten kleine Spielsachen in den Ranzen und erkoren Günther für die Übergabe an den/die Erstklässler/in.

An eben diesem Kindermuseum entsteht auch eine Wishwall, für die alle Teams aufgerufen waren, Steine mit Wünschen und Grüßen ihres Teams zu gestalten.

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Und für das Museum haben wir zusätzlich ein paar einzigartige Spielsachen spenden dürfen.

Danach ging es (wir hängten uns an Nadir und Burhan vom OK) in der wohl wildesten Fahrt der Rallye durch Amman. Wilde Spurwechsel hin und her und Tausch von Süßigkeiten zwischen den Autos bei voller Fahrt und in Kurven – ja so langsam waren wir echt Rallyetauglich und ließen uns vom OK-Team nicht abschütteln. Auch nicht bei wilden Abbiegemanövern bei voller Fahrt (durch die Stadt kamen wir schon mal auf 100 km/h) und hohem Verkehrsaufkommen. Von der ganz linken Spur bei einer dreispurigen Straße kurzfristig entschieden rechts abzubiegen – mit Luft anhalten, Reifenquietschen und Adrenalinrausch alles kein Problem…

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So kamen wir gegen Mittag im Crown Plaza wieder am Toten Meer an, nur diesmal nicht auf israelischer sondern auf jordanischer Seite.

Es lohnte sich, sich zu beeilen, denn die besten Zimmer wurden zuerst vergeben. Und wir hatten Glück. Zwei der Zimmer lagen mit Blick auf das Tote Meer und ein Zimmer blickte auf den Pool, alle Aussichten sehr erfreulich und luxuriös.

Nach dem ersten Flash – es handelte sich um ein 4-Sterne-Hotel mit feinster Keramikausstattung – war das ausgiebige Planschen im Pool ein MUSS.

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Danach setzte ich mich für die nächsten 1 1/2 Tage hin und schrieb die ausstehenden Berichte zusammen.

Den Abend ließen wir bei einem leckeren Essen beim Indonesen ausklingen.

 

Wieder Zuhause und herzlichen Dank!

Seit gestern Nachmittag ist unsere abenteuerliche Reise nun Geschichte und wir sind alle wieder wohlbehalten, gut gegart und im Großen und Ganzen gesund in München gelandet.

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An dieser Stelle wollen wir uns nochmal herzlich für alle Eure Kommentare bedanken, die uns auch auf der Reise erreichten, denn manchmal reichte das Netz und die Zeit nur für einen kurzen Check der Neuigkeiten.

Es hat Spaß gemacht, zu lesen, dass Ihr alle mitfiebert und interessiert auf die nächsten Etappenberichte wartet. Das war und ist auch meine Motivation, die Berichte in der vorliegenden Form zu schreiben.

Ich werde mich nun, bequem in meinem Arbeitszimmer sitzend, mit unerschöpflichem Internetzugang, allen nötigen Anschlüssen und Medien in greifbarere Nähe, an die Erstellung der noch ausstehenenden Erlebnisse machen.

Nochmals vielen Dank für Euer Interesse!

Tag 18 – Wüstenfahrt, Handshake mit dem jordanischen Prinz und offizieller Termin an der Uni von Amann

Am frühen Morgen des 27. Mai sahen wir, was wir zum Glück in der Nacht nicht gesehen hatten. Das Camp war umstellt von Militär.  Menschen und Fahrzeuge und Menschen in Fahrzeugen. Diese hatten in der Nacht sicher ihren Spaß, als sie uns mit ihren Nachtsichtgeräten beobachteten, während wir verzweifelt versuchten unseren Vollmond nicht ins Licht zu strecken… Sei’s drum, wir gönnen ihnen den Spaß.

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Um 8:45 Uhr ging es los zur Etappe durch die Wüste. Es war eine anstrengende Fahrt und anspruchsvoll, vor allem auch, weil man vor lauter Sand in der Luft teilweise kaum einen Meter weit sah. Dabei durfte man den Vordermann nicht aus den Augen verlieren, denn ein Weg war eigentlich nicht vorhanden.
Wir und unsere Autos schafften diese Wüstentour ohne Blessuren, bis auf einen platten Reifen bei Max. Aber das ist laut Günther ein Fahrfehler, denn sonst gäbe es keinen Grund für kaputte Reifen.

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Um 10:30 Uhr machten wir Halt an einer für Bustouristenausflüge vorgesehenen Raststation mit toller Aussicht, mit Toiletten und einem Eisschrank in einem Beduinenzelt mit gekühlten Getränken. Wir machten uns gerade mit der Umgebung vertraut, als wir heran gewunken wurden. Da stand doch tatsächlich der jugendliche Kronprinz Hussein bin Abdullah und schüttelte uns die Hände, bevor er in sein gepanzertes Fahrzeug stieg und davon brauste.
Der Kronprinz ist im Bild links mit schwarzem T-Shirt zu sehen:

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Bei unserem nächster Stopp an einer Tankstelle trafen wir auf einen Teil des OK-Teams, die angeblich den Weg zur nächsten Etappe, die Universität von Amman kannten. Wir waren dankbar, dass wir uns dran hängen durften und so rasten wir mit ein paar anderen Teams quer durch Amman. Als uns aufging, dass dies niemals der Weg zur Uni sein kann, war es auch schon zu spät. So waren wir Zeugen einer Veranstaltung des jordanischen Teams mit ihrem Sponsor, der jordanischen Fluglinie Royal Jordanian. Peinlich berührt versuchten wir uns im Hintergrund zu halten und nutzen die Zeit um den Reifen an Max zu wechseln.

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Danach ging es auf direktem Weg in den King Hussein Park, den wir schon recht früh am Tag, gegen 15:30Uhr erreichten. So viel Zeit zur freien Verfügung zu haben, waren wir nichr gewohnt und so öffneten wir die mitgebrachten Reserven und Konserven erst, als es bereits dunkel war.

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Tag 17 – Totes Meer, Grenze zu Jordanien und Wüstencamp

Nach dem Aufstehen, das bei den herrschenden Temperaturen recht früh erfolgt, hatten wir den Vormittag über Zeit, das Tote Meer zu genießen, welches 428 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, ein abflussfreier See ist und für seinen hohen Salzgehalt bekannt ist.

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Schon oft davon gehört, konnten wir nun am eigenen Leib erfahren, wie uns das Wasser trug und ein Untergehen schier unmöglich ist. Das Wasser sollte man allerdings nicht in die Augen bekommen und eine kleine Kostprobe im Mund brannte auch eine Weile nach.

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Auch Janet traute sich mit der genähten Kniewunde ins Wasser, wobei sie darauf achtete, es tunlichst zu vermeiden, das Knie mit dem Wasser in Kontakt zu bringen. Die Wunde verheilt gut und Lena kümmert sich fürsorglich um die Pflege und Erneuerung der Verbände und Pflaster.

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Eine schöne Erfahrung reicher, machten wir uns pünktlich – und diesmal waren wir wirklich pünktlich! – um 12 Uhr auf den Weg zur jordanischen Grenze, die wir um 14 Uhr erreichen sollten, was uns erstaunlicherweise auch tatsächlich gelang. Wir reihten uns in die Schlange der wartenden Fahrzeuge ein um zuerst den israelischen und dann den jordanischen Checkpoint zu passieren, mit gefühlten 4 oder 5 Pass- und Autopapierkontrollen. Um 15:30 Uhr erreichten wir dann die jordanische Seite und uns schallte von überall der Gruß „welcome to Jordan“ entgegen. Wir erhielten ein neues Roadbook und Infomaterial über Jordanien und versuchten dann anhand der kryptischen Informationen aus dem neuen Roadbook den Weg zum heutigen Etappenziel, ein Wüstencamp, zu finden.

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Nach mehreren Irrfahrten und einigen netten Begegnungen – ein Jordanier schenkte uns Brot, als wir danach fragten, wo man eben dieses kaufen könne, er sprach perfekt deutsch und gab uns seine Telefonnummer, für den Fall, wenn wir irgendwas brauchen – hängten wir uns an Team 40, welches in der Vergangenheit schon mehrfach beste Navigation bewiesen hatte und immer mehrere Stunden vor uns das Tagesziel erreichte.

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Schon nach einer kurzen Weile kamen wir an eine Straßensperre, da lagen fette Steine und es brannten Autoreifen. Wem diese Barrikade galt, war unklar, sicher war nur, dass es hier nicht weiter ging.

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Der Versuch, die Straße zu umfahren wurde mittels Polizeieskorte unterbunden, die uns auf „sichere“ Straßen zurück brachte.
Die letzte fehlerhafte Abfahrt brachte uns zu einem syrischen Flüchtlingscamp, nicht weit von der Grenze zu Syrien. Nachdem wir die Krallen im Boden sahen und die Männer mit den Händen an ihren Waffen, war uns klar, dies konnte nicht das gesuchte Camp sein.
Gegen halb neun, es war schon lange dunkel, erreichten wir dann doch das „Camp“, eine freie Fläche mitten in der Wüste. Hatten wir uns zuvor über mangelnde Hygiene, fehlende Duschen und Stehklos beschwert, hatten wir heute keinen Grund dafür. Hier gab es einfach gar nichts. Für die Notdurft mußte man über weites Feld laufen, bis man sich aus dem Lichtkegel der Flutlichter befreite. Danach nicht vergessen, das benutzte Papier zu vergraben oder zu verbrennen, sonst fliegt es wohlmöglich einem Beduinen um die Nase…

Wir spannten die Ballonplane von Günther zwischen die Autos und hatten so eine gemütliche und windgeschützte Nische, in der wir bei einem gemeinsamen Schnaps mit Team 40 und aufgewärmtem (es brauchte nicht viel Energie, das Essen zu erwärmen, die hohen Temperaturen, die tagsüber in den Autos herrschten, hatten schon viel Vorarbeit geleistet) Dosenfutter den Abend ausklingen ließen.

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Tag 16 – endlose Zeit am Hafen von Haifa, Bethlehem und Jerusalem

Wie im vorherigen Bericht bereits kurz erwähnt, mussten Martin und ich besonders früh an der Fähre sein. Martin hatte aufgrund einer nicht erhaltenen Information den Schlüssel nicht im Auto stecken lassen. Es gab zum Glück einen Bustransfer zum Hafen, was die Anreise etwas entspannte. Wir zahlten für 3 Fahrzeuge erneut jeweils 100 Euro (wir hatten bereits im Vorfeld einiges an Geld für die Zollabfertigung gezahlt, doch die Israelis wollten mehr, worauf auch das OK-Team leider keinen Einfluss hatte und darüber gar nicht erfreut war) und erhielten eine einzige Quittung. Das wurde den später anreisenden unseres Teams dann zum Verhängniss, denn ohne Quittung kein Zutritt auf das Gelände. Die kurzzeitig eintretende Verwirrung und Aufregung konnte aber ohne weitere Kosten beigelegt werden und gegen 10:00h waren dann wieder alle beisammen. Nur unser Mercy war nicht da…
Na herzlichen Glückwunsch,  was war denn nun schon wieder los?! Also losstürzen und versuchen Infos einzuholen. 4 Autos waren noch auf der Fähre, wegen Defekt oder sonstigen Problemen. Wir machten uns große Sorgen und Martin stiefelte los um Mercy endlich aus dem Schlund der Fähre zu befreien. Das Problem war ein Wagen mit eingerasteter Lenkradschloss auf dem oberen Deck und dem nicht auffindbaren Fahrer. Als das Problemfahrzeug mittels Gabelstapler aus der Rangierzone entfernt wurde, konnte Martin nun endlich – als einziger – sein Auto selbst von der Fähre fahren.

Wir stellten uns daraufhin sofort beim Sicherheitscheck an, was auch noch mal viel Geduld und Zeit brauchte und bis die Fahrt endlich weiter gehen konnte, war es bereits 11 Uhr. Und dafür sind wir sooo früh aufgestanden.

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Aber was solls, wir hatten endlich unsere Autos wieder und fühlten uns frei. Hallo, wir sind in Israel, mit unseren Autos. Gut, so ganz frei waren wir dann doch nicht, sobald wir die Route etwas verließen, wurden wir höflich, aber bestimmt gebeten umzukehren und den richtigen Weg zu suchen und zu finden.

Wir fuhren durch europäisch anmutende Landschaft und bei ca. 48 Grad Aussentemperatur zum Checkpoint zwischen Jerusalem und Bethlehem, den wir um 13 Uhr passieren sollten. Gegen 16:30 Uhr erreichten wir die Grenze zu Palästina und fuhren nach Bethlehem rein. Wie immer waren wir voll im Zeitplan… 😉

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Nachdem die Israelis auf uns eher zurückhaltend und reserviert wirkten, hießen uns in Bethlehem alle herzlich willkommen und waren sehr offen und hilfsbereit, wie wir es auf unserer Reise schon so oft erleben durften.

Eine Aufgabe aus dem Roadbook war die Geburtskirche Jesus Christus zu besichtigen und in Erfahrung zu bringen, wieviele Zacken der Stern hat, der an dem Platz angebracht ist, wo angeblich die Krippe stand. Zu viert gönnten wir uns eine Führung durch die Kirche – die Besatzung von Max hatten wir zwischenzeitlich im Verkehrsgewusel durch Jerusalem verloren, machten uns aber keine Sorgen, da in dem Auto die erfahrensten Navigierer unseres Teams saßen – und erfreuten uns an den lebhaften Erzählungen unseres Führers auf englisch.

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Nachdem wir ausgiebig Souveniers eingekauft hatten und das Team wieder komplett war, war es höchste Zeit ein Lokal aufzusuchen. Wir labten uns an Falaffel und Humus und entschieden uns satt und gestärkt nochmal nach Jerusalem hineinzufahren um uns auch diese Stadt zumindest ein bisschen anzuschauen.

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In dem Stadtgewusel verloren wir uns erneut und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir uns wieder fanden. Das Navigieren zu Fuß ist leider seit unseren Erfahrungen in Istanbul keinen Deut besser geworden.
Ich bin dem Rest des Teams sehr dankbar, dass sie so lange geduldig auf Martin und mich warteten und wir uns so zu sechst die Klagemauer und das Gewusel der Gläubigen auf dem Platz davor anschauen und bestaunen konnten.

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Das Tagesetappenziel war das Kalia Beach Ressort zu dem es wie üblich wieder keine konkreten Informationen gab. Einzig wußten wir, dass es am Toten Meer liegt und wir dort in geschütztem und schwer bewachtem Gebiet übernachten sollten.
Gegen 0:20 Uhr erreichten wir das mit Stacheldraht umzäunte Gebiet, nur um vor einem verschlossenen Tor zu stehen. Nach ein paar Minuten bemerkte man uns dann aber doch und wir wurden mit der bereits mehrfach erfahrenen herzlichen israelischen Art wortlos auf das Gelände gelassen.

Tag 15 – Mersin, Flug nach Haifa und Krankenhauserfahrung in Israel

Völlig erschöpft von der langen Fahrt und der anschließenden Warterei, bei der keiner wußte, wie lange es noch dauern würde, haben wir uns notdürftig eine Schlafmöglichkeit gebaut. Da die Fahrerseite ja nicht zugebaut werden konnte (wir hatten sonst immer das Gepäck von der Liegefläche auf die Vordersitze geräumt), um schnell reagieren zu können, wenn es weiter geht, haben wir nur eine Seite zum Liegen frei geräumt und Martin kauerte sich ungemütlich auf den Fahrersitz. Janet, die den ganzen Tag gefahren war, legte sich zum Schlafen in den Max nieder und Günther wollte durchmachen. Aber bereits nach dem 2. Bier kam ihm der Schlaf dann doch auch sehr verlockend vor und Janet hatte alle Mühe, ihn wach und fahrbreit zu bekommen, als wir gegen 2 (oder war es halb 3?) auf das Gelände auffahren durften. Es gelang ihr nicht und so kutschierte sie den schlafenden Günther mit offener Heckklappe über das Gelände. Einen Stempel im Pass der Fahrzeughalter später richteten wir uns auf weitere Wartezeit ein. Endlich waren wir auf dem selben Gelände, auf dem auch Ruby stand, doch von Wiedersehensfreude zu der Uhrzeit keine Spur. Lena und Rob schliefen friedlich. Gegen 5:00 Uhr morgens dann bewegte sich endlich etwas. Martin und Günther fuhren die Autos auf die Fähre, während wir uns mit dem Fluggepäck auf die Suche nach einem Fleckchen machten, wo man weitere Zeit tot schlagen konnte und dabei nicht zu unbequem saß.

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Kaum dass wir um die Ecke bogen, blickte ich in die noch müden aber freudig überraschten Augen meiner Schwester, endlich hatten wir uns wieder!

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Rob war auch bald zurück, nur auf Martin und Günther warteten wir noch bis halb 10. Wir Wartenden vertrieben uns die Zeit mit – na, was glaubt Ihr? – Tee trinken.
Gut, einen Kaffee gab es dann später auch und etwas fürs Herz. Wir sahen ratlos schauende Facilitymitarbeiter des Fährgeländes vor ein paar in der Ecke aufgeschichteten Teppichen stehen, die sie offensichtlich entsorgen oder wieder auslegen wollten und die Neugier trieb uns zu dem Ort um nachzusehen, was an einem Teppich so spannend sein kann.
Eine Katze hatte sich über Nacht darauf eingerichtet und neben ihr lagen zwei, noch nicht alte Katzenbabies, die Augen waren noch geschlossen.
Der Teppich wurde kurzerhand liegen gelassen. Tierfreundlich sind die Türken. Zumindest was meine Erfahrung mit Hunden und Katzen angeht.

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Wir hatten nun ein Zeitfenster von ca. vier Stunden, bis unser Transfer zum Flughafen nach Adana starten würde (die Fähre war eine reine Autofähre) und so entschieden wir uns in die Stadt zu gehen und dort zu frühstücken.

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Wie wir so da saßen, fiel den Jungs ein, sie könnten ja nochmal zum Barbier gehen und Lena und ich entschieden kurzerhand ebenfalls einen Friseur aufzusuchen. Endlich mal wieder Haare waschen und eine Kopfmassage – die Jungs hatten beim letzten Besuch schon so geschwärmt – ja, das wollten wir auch! Janet blieb im Cafe sitzen und kümmerte sich um die Vervollständigung unseres Roadbooks -übrigens ein Wort, das wir im Laufe der Reise zu unserem persönlichen Unwort kührten -, in welches noch diverse Fotos und Informationen eingefügt werden mussten.

Die türkische Vetternwirtschaft funktionierte ein weiters Mal hervorragend, denn der Cafebesitzer rief seinen Cousin an, der bereitete den Salon vor, während uns sein Bruder wild durch die Gassen von Mersin kurvend bequem im Auto an Ort und Stelle brachte. Jetzt durfte der Bruder nur nicht wieder wegfahren, den Weg zurück hätten wir nicht so schnell gefunden…

In dem Friseursalon waren Lena und ich die Attraktion. Zu zweit und teilweise zu dritt machten sie sich an unseren Haaren und Augenbrauen zu schaffen. Doch statt der erhofften Massage erhielten wir eine recht passable Föhnfrisur, gezupfte Augenbrauen, eine gerötete Oberlippenpartie und verkohlte Kopfhaut. Ach ja, was macht frau nicht alles durch fürs Wohlbefinden…

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Die Jungs kamen recht bald von ihrem Barbier zurück – wir wurden eingänglich streng nach Männlein und Weiblein getrennt – und strahlten. Sie hatten wieder das Wohlfühlpaket erhalten, sogar mit Schultermassage. Und das für ein Drittel von dem, was unsere schmerzhafte Behandlung kostete.
Bleibt noch zu erzählen, dass der erwähnte Bruder auf uns wartete und nach diversen Selfis der Salon-Damen mit unseren schicken Männern wieder sicher zum Cafe zurück brachte.

Um 14:30 Uhr ging es dann mit dem Bustransfer nach Adana, von wo aus wir nach Tel Aviv flogen und dort mit dem Bus nach Haifa gebracht wurden, welches wir gegen 20:30 Uhr endlich erreichten.

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Haifa präsentierte sich bei Nacht sehr eindrucksvoll, solange man sich durch das deutsche Viertel bewegte. Eine Seitenstraße weiter sah es dann düster, dreckig und trostlos aus.
Nachdem wir an diesem Tag bereits der 2. Schwung Rallyeteilnehmer waren, war die Zimmersuche schon eine kleine Herausforderung, zumal die Preise in Israel uns nach den Erfahrungen in der Türkei etwas schockten und weitere 200 Teilnehmer wie die Heuschrecken ausschwärmten, auf der Suche nach einem Nachtlager.

Bei der dritten oder vierten angesteuerten Adresse wurden wir gegen 21:30 Uhr fündig. Im von Nonnen geführten Saint Charles Guest House zahlten wie 140 Schekel (sind ca. 32 Euro) pro Person um in einem 5-Bett-Zimmer die kurze Nacht zu verbringen.

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Lena, Rob, Martin und Jo in einem und Janet und Günther in einem anderen Zimmer. Drei von uns allerdings hätten sich das Geld sparen können, denn ein ungewollter Krankenhausaufenthalt brachte sie um einige kostbare Stunden Schlaf. Aber der Reihe nach:
Wir warfen unsere Klamotten in die Zimmer, verschoben die Dusche auf später und zogen los um die hungrigen Mägen zu füllen. Viel Zeit hatten wir dafür nicht, denn die Schwestern gewährten uns Ausgang nur bis 23 Uhr, danach wurde die Tür verschlossen.
Nach einer ausgiebigen Dusche wollten wir langsam zur Ruhe kommen, als Günther aufgeregt ins Zimmer kam und nach Lena verlangte. Janet war ganz unglücklich im Zimmer gestürzt und hatte sich eine klaffende Wunde am Knie und Prellungen am Brustkorb zugezogen. Ausgerechnet hier, wo das ganze medizinische Equipment im Auto, irgendwo im Mittelmeer, unterwegs war.
Unsere kompetente Krankenschwester Lena empfahl, die Wunde nähen zu lassen. Dafür mussten wir die Nonnen wecken und ein Taxi rufen, welches Janet, Lena und Rob zum Krankenhaus fuhr. Dort angekommen wurden sie erst mal um 300 Euro erleichtert, nur um einige Stunden rum zu sitzen und zu warten. Nachdem sich Lena und Rob erlaubten, ein bisschen Druck zu machen, schließlich mussten wir am nächsten Morgen pünktlich bei der einlaufenden Fähre sein, erbarmte sich ein Arzt und erfreute unser Team mit einer Gesangseinlage – der deutschen Nationalhymne erster Strophe :-( Auf den von Lena vorgebrachten Hinweis, dass er uns beleidige, erwiederte er nur emotionslos „it was a mistake“.
Janet war die ganze Zeit sehr tapfer und ruhig und ertrug ihr Schicksal mit ausgestrahlter Gelassenheit.

Gegen 4:30 Uhr kehrten sie zu Fuß (Taxis fuhren laut Auskunft eines Kioskbesizers zu der Zeit nicht mehr) zurück in unsere Unterkunft und während sie sich zum Schlafen legten, standen Martin und ich auf um als erstes bei der Fähre zu sein.

Tag 14 – erneuter Werkstattaufenthalt und Fähre in Mersin

Gestern ist Günther aufgefallen, dass unser Mercy sehr wenig Hydrauliköl für die Niveauregulierung aufwies und gab uns etwas von seinem ab, in der Hoffnung, dass damit das Problem gelöst sei. Dass dem nicht so war, sollte sich später noch auf unseren Zeitplan auswirken.

Wir hatten am gestrigen Abend vereinbart, dass wir heute ganz früh aufbrechen, da wir einen langen Weg bis nach Mersin zurückzulegen hatten, wo unsere Autos um 23:00 Uhr verschifft werden sollten. Also quälten wir uns bereits um 05:00 Uhr aus unserem Autobett um pünktlichst um 6:20 Uhr (die krumme Zeit kam durch die Mittlung der Abfahrtswunschzeiten zustande) zu starten.

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Wir kamen gut durch und machten ca. 2 Stunden später unsere erste Pause an einer Tankstelle. Eigentlich wollten wir nur tanken, doch bei der Gelegenheit schauten wir auch kurz nach dem Hydrauliköl, nur um festzustellen, dass es leerer war als gestern, vor dem Auffüllen.
Ein hilfsbereites Team gab uns eine Flasche von dem kostbaren Öl, deren eingefüllter Inhalt sich sofort auf das Pflaster ergoss. Kurzerhand legte sich Günther unter das Auto und versuchte das Leck mittels Gaffer Tape und Kabelbindern zu flicken. Sinnvollerweise war die einhellige Teammeinung die nächste Werkstatt aufzusuchen.

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So fuhren wir nach Antalya rein und fanden eine kleine Werkstatt am Wegesrand mit Hebebühne. Wild gestikulierend versuchten wir uns verständlich zu machen und sofort wurde telefonisch die Frau des Besitzers herbei gerufen, die ein bisschen Englisch sprach und so die Übersetzung übernehmen konnte. Die Ölleitung für die Niveauregulierung war durchgerostet.
Ein bisschen hin und her und ein paar Schraubereien später – das defekte Stück der Leitung wurde durch einen Gummischlauch ersetzt – konnten wir nach 1,5 Stunden kurzweiligem Aufenthalt endlich weiter fahren. Und wieder hatte die Reparatur 50 Lira gekostet. Dafür gab es guten Tee für die Wartenden – wie so oft in der Türkei.

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Eine kleine Yoga Übung von Martin trug zur allgemeinen Entspannung der Lage bei und half bei der Völkerverständigung.

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Nun ging es zügig weiter, kostete uns die Panne doch bereits in Summe 3 Stunden, die wir anders verplant hatten. Mein Wunsch war es so schnell wie möglich in Mersin anzukommen, damit das Team wieder vereint ist und wir alle Autos gemeinsam auf die Fähre stellen konnten. Der Wunsch anderer Teammitglieder war es den Tag zu genießen und in kurzen Abständen anzuhalten um Kaffee zu trinken oder ausgedehnt Mittag zu essen.
Gegen 13 Uhr fuhren wir an der Infotafel vorbei, dass es noch 485 Kilometer bis Mersin sind und machten gegen viertel vor Zwei eine ausgedehnte Mittagspause mit Restaurantbesuch.

Gegen halb vier hatten wir noch immer 390 Kilometer vor uns und ich drängte zur Eile, doch andere sahen das anders und so wurde unterwegs mit wilden Manövern das ein oder andere Mal angehalten um Erdbeeren oder Bananen am Straßenrand zu kaufen oder besonders schöne Fotos von der eindrucksvollen Strecke entlang der Küste zu machen.

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Gegen 18:00 Uhr machten wir dann die letzte Kaffeepause, da waren es noch ca. 200 Kilometer und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 60 km/h (es ging immer wieder kurvenreich in die Berge hinauf und wieder hinab und wieder hinauf und wieder…) kann sich der geneigte Leser sicher vorstellen, dass es eng werden würde bis 23:00 Uhr an der Fähre zu sein. Die einzige Info wohin wir fahren mussten, lautete: „Ausfahrt Autobahnkreuz Serbest/Bölge, bei Akgübre rechts abfahren. Tor D, Eingang Roro“
Wir fanden den Weg nicht, wie viele andere Teams auch, doch freundliche und hilfsbereite Türken beschrieben uns den Weg und einer fuhr uns kurzerhand voraus, nachdem er sah, dass wir wieder im Begriff waren falsch abzubiegen. So kamen wir sogar fast „pünktlich“ an dem Fãhrzubringer an, den ich gerne bereits um 21:00 Uhr erreicht hätte, denn Rob und Lena waren schon im Zollbereich, während wir uns die Nacht vor den Toren um die Ohren schlagen durften.

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Also noch eine Nacht, bis wir endlich wieder alle beisammen sind. Geduld ist eine Tugend, die nicht zu meinem hervorragenden Stärken gehört…

Tag 13/2 – Adana

Während es sich vier von uns gut gehen ließen und wir uns nach den Vorgaben des Roadbooks richteten, düsten Lena und Rob nach Adana, was sie am späten Nachmittag erreichten. Dort wurden sie vom ansässigen Polizeichef empfangen, der sich um ihr leibliches Wohl und ein komfortables Hotelzimmer für sie kümmerte. Das erste Bild, das uns von ihnen ereichte, war ein Bild eines Sitzklos, welch fiese Attacke auf unser Hygieneempfinden. Doch mittlerweile sind wir so abgehärtet – echte Globetrotter-, dass uns das gar nicht neidisch machen konnte. Wir waren mit unseren Stehklos und den fehlenden Duschen so im Reinen, dass wir nur müde lächelten… ähäm…

Aber eigentlich wollten wir hier erzählen wie es mit den 44 Europaletten voller Hilfsgüter weiter ging:
Mit der Hilfe und dem enormen Einsatz von Nadir und seinem Cousin Ayhan, dem Polizeichef, sowie einem Abgeordneten des Gouverneurs von Adana versuchten alle das Möglichste um die Hilfslieferung in die richtigen Bahnen zu lenken. Leider konnte in dem dafür frei gemachten, knappen Zeitfenster die Übergabe in dem Camp nicht so erfolgen wie wir alle hofften. Bürokratische Hindernisse und Verfahrensweisen machten die Annahme und Verteilung komplizierter. Der türkische Halbmond, der anfangs Interesse bekundete, zog dieses zurück, als klar war, dass es sich nicht nur um Neuware handelt. Somit hatten wir den „Auftraggeber“ in der Türkei verloren, was das Prozedere am Zoll etwas verlängerte.

Afad, das ist der staatliche Katastrophenschutz der Türkei, der gleichzeitig auch für die Versorgung in den Flüchtlingscamps zuständig ist, hat die Lieferung nun angenommen und muss diese aber exakt sortieren, damit in den Camps genau das ankommt, was gebraucht wird. Diese Umstände waren nicht vorhersehbar, doch trotzdem sind wir alle sehr froh, dass die Hilfslieferung angekommen und in sicheren Händen ist. Der Polizeichef und der Abgeordneter des Gouverneurs haben uns versichert, dass sie sich persönlich um die Übergabe kümmern.

Voraussichtlich werden Rob und Lena zur Übergabe der Hilfsgüter zu gegebener Zeit nochmal nach Adana zurückkehren um dabei zu sein. Da sie jetzt nicht viel ändern konnten aber auf Abruf standen um Unklarheiten zu besprechen, hatten Sie das Glück mit dem Polizeichef die Insider-Seite von Adana kennenzulernen, was sehr spannend und aufschlussreich war.

An dieser Stelle wollen wir als Team Kuddelmuddel uns noch einmal herzlich bei den Spendern bedanken und Euch versichern, dass die Spenden an ihren Bestimmungsort für syrische Flüchtlingskinder sicher übergeben werden. Wir haben die Menschen, welche nun die letzten Abläufe für uns übernehmen, persönlich kennengelernt und stehen weiterhin ständig in Kontakt mit ihnen. Es liegt allen daran, dieses große Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen.

Einen großen Dank auch an das Organisationsteam der Allgäu-Orient Rallye, durch welches dieses Projekt erst stattfinden konnte. Danke, dass Ihr zu jeder Zeit mit allen Kräften organisatorisch und durch Kontaktvermittlung hinter dem Projekt standet und steht.

Tag 13 – Aufenthalt in Dalyan

Heute genossen wir einen Tag ganz ohne große Fahrerei. Am Vormittag teilten wir uns auf und während Janet und Günther dem vom OK empfohlenen Programm folgten und auf den nahegelegen Radarberg fuhren um die Aussicht zu genießen, saßen Martin und ich in einem netten Restaurant am Ufer und arbeiteten die vielen fehlenden Berichte auf.

Am Nachmittag fuhren wir mit einem Boot dann gemeinsam zum Iztuzustrand, an dem wir dann die symbolische Aufgabe hatten am Strand Müll einzusammeln, da die Rallyeteilnehmer der letzten 9 Jahre an diesem schönen Fleckchen Erde schon viel Müll zurück gelassen hatten. Danach konnte, wer wollte, sich in die Fluten stürzen, was Günther und Janet auch mit Freude machten.

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Am Abend wurde dann zum 10jährigen Jubiläum der Allgäu-Orient-Rallye im Ort ein Fest gefeiert.

Von Lena und Rob haben wir leider bisher keine neue Nachrichten erhalten und hoffen inständig, dass es ihnen gut geht und wir uns morgen Abend alle wohlbehalten wiedersehen.